Zeitgeschichte zum Anfassen: Ernst Klein zu Gast an der Alten Landesschule Korbach
Korbach. Geschichte ist mehr als ein Kapitel im Schulbuch – sie lebt von Erinnerungen, Stimmen und persönlichen Erfahrungen. Das wurde für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 der Alten Landesschule Korbach eindrucksvoll spürbar, als Ernst Klein, engagiertes Mitglied der Initiative „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, aus seinem Buch über die Nachkriegszeit in Volkmarsen referierte.

Ernst Klein spricht an der Alten Landesschule Korbach vor Schülerinnen und
Schülern der Jahrgangsstufe 13 über die Nachkriegszeit, Entnazifizierung sowie
Flucht und Vertreibung (Foto: Lilienthal).
Auf Initiative von Dr. Marion Lilienthal war
der Zeitzeuge und Autor in die Schule eingeladen worden, um mit den angehenden
Abiturientinnen und Abiturienten über die Jahre des Umbruchs nach 1945 zu
sprechen – eine Zeit, die zwar historisch weit entfernt scheint, deren Folgen
jedoch bis heute nachwirken.
Mit ruhiger, eindringlicher Sprache schilderte Klein die Erfahrungen der
Menschen in Nordhessen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Angst und
Orientierungslosigkeit, Hunger und Wohnungsnot, aber auch Hoffnung, Solidarität
und den mühsamen Weg in eine demokratische Zukunft. Besonders eindrucksvoll
waren seine persönlichen Erinnerungen und die zahlreichen lokalen Bezüge, die
Geschichte greifbar machten. Orte, die den Schülerinnen und Schülern vertraut
sind, wurden plötzlich zu Schauplätzen großer historischer Umbrüche.
Klein ließ keinen Zweifel daran, dass der demokratische Neubeginn nach 1945
keineswegs selbstverständlich war. Er sprach offen über Verdrängung, Schweigen
und das lange Ausbleiben einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der
nationalsozialistischen Vergangenheit – ebenso wie über die Bedeutung von
Zivilcourage, Erinnerungskultur und politischer Verantwortung in der Gegenwart.
Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu. Viele zeigten sich beeindruckt davon,
wie unmittelbar Geschichte wirken kann, wenn sie von einem Menschen erzählt
wird, der sie selbst erlebt und reflektiert hat. Gerade im Hinblick auf
aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wurde deutlich, wie wichtig
historische Bildung für das Verständnis von Demokratie und Menschenrechten ist.
Mit der Veranstaltung setzte die Alte Landesschule Korbach ein starkes
Zeichen für gelebte Erinnerungskultur. Dank des Engagements von Dr. Marion
Lilienthal und der Bereitschaft von Ernst Klein, seine Erfahrungen zu teilen,
wurde der Unterricht an diesem Tag zu einer lebendigen Begegnung mit der
Vergangenheit – und zu einer eindringlichen Mahnung für die Zukunft: Demokratie
ist kein Selbstläufer, sondern braucht Erinnerung, Haltung und Engagement.